BSV-Studie sagt, was sie sagen will!

Geschrieben von Hansueli "Voice" Müller. Veröffentlicht in der Blog

Am 1. April 2014 beglückte uns das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) mit dem ersten Untersuchungsergebnis über die Auswirkungen der neuen Vergütungsregelung von Hörgeräten. Das BSV beschränkt sich in seiner Medienmittelung auf die zwei Kernaussagen „wir habe alles richtig gemacht“ und „Hörgeräte sind immer noch zu teuer“. Eigentlich war eine solche Schlussfolgerung vorhersehbar und überhaupt nicht überraschend; geben sie doch den Bevormundern frischen Auftrieb.

Werfen wir einen kritischen Blick auf die wichtigsten Aussagen und verdrehen sie.

Gute Versorgungsqualität

Weit über 90% der befragten HörgeräteträgerInnen sind mit der Dienstleitung zufrieden bis sehr zufrieden. Hier belegt uns das BSV, wie schon andere zuvor, dass die Hörgerätefachgeschäfte ihr Handwerk beherrschen und einen echten Mehrwert für die Gesellschaft erzeugen. Die Studie belegt auch, dass der Anteil der sehr zufriedenen mit der Höhe der Zuzahlung steigt. Bei der Gruppe ohne Zuzahlung liegt sie bei 58%, bei der Gruppe mit der höchsten Zuzahlung liegt sie bei 88%. Ein klarer Beleg dafür, dass höherpreisige und dadurch auch bessere Hörgeräte eine bessere Zufriedenheit erzeugen.

Das sehr gute Ergebnis freut auch das BSV, denn für sie ist es ein Beleg dafür, dass sich die Qualität mit dem neuen Vergütungssystem nicht – wie von der Hörgerätebranche vermutet – verschlechtert hat. Diese Ansicht ist aber falsch! Reduziert man die Studie auf die HörgeräteträgerInnen, die keine Zuzahlung leisteten, ist der Anteil der sehr zufriedenen um mehr als fünf Prozentpunkte im Pauschalsystem gesunken. Auch bei der allgemeinen Zufriedenheit mit dem Hörgerät ist der Anteil der sehr zufriedenen um mehr als drei Prozentpunkte gesunken.

Hörgeräte sind zu teuer

Dass Hörgeräte zu teuer sind, ist wohl die unreflektierteste Aussage die es zu Hörgeräten gibt. Auch die Studie meint dies zu bestätigen, da sich die Preise kaum bewegt haben und Versicherte immer noch eine Zuzahlung leisten. Sie beweist aber, dass der Preis nur eine unwichtige Rolle für die Entscheidung spielt: über 65% der HörgeräteträgerInnen entschieden sich wegen der Hör-/Klangqualität für das Gerät und nur bei 14% spielte die Höhe der Zuzahlung eine Rolle. Der Gesamtpreis gaben im Tarifsystem 25% und im Pauschalsystem 30% als Grund für die getroffene Wahl an.

Empowerment zu gering

Ein wichtiges Ziel der neuen Vergütungsregelung ist das Empowerment – das Stärken der Eigenverantwortung – der Versicherten. Aus Sicht des BSV ist Empowerment gegeben, wenn die Versicherten verschiedene Anbieter und Hörprodukte vergleichen. Nun zeigt die Studie, dass über 70% der Versicherten die Anbieter nicht vergleichen. Warum diese nicht vergleichen, ist jedoch nicht Bestandteil der Evaluation. Dieser Umstand ist dem BSV ein Dorn im Auge. So sehr, dass sie auch gleich eine Informationsoffensive angekündet haben. Man plant wieder alle Versicherten, die sich für eine Unterstützung bei der IV oder AHV anmelden, über ihr Auswahlmöglichkeiten zu informieren und wird sie vermutlich dazu auffordern Anbieter im Aus- und Inland zu vergleichen.

Schlusswort

„Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“ Dieses Sprichwort muss man sich bei der BSV-Studie „Evaluation Qualität der Hörgeräteversorgung“ im Hinterkopf behalten. Denn das vom BSV und der SDA kommunizierte Konzentrat entspricht kaum den Studienergebnissen, resp., es wurden die Schlüsse gezogen, die gezogen werden wollten. In Wahrheit ist die Qualität der Versorgung so hoch und gut geblieben, weil ein Grossteil der HörgeräteträgerInnen freiwillig eine Zuzahlung leisten und nicht weil das BSV eine Pauschale bezahlt. Und das Empowerment fällt gering aus, weil die Kunden einfach keine Lust auf langwierige Anbietervergleiche haben. Wieso auch? Wenn ich zufrieden bin, dann bin ich zufrieden.

Die am 1. April 2014 veröffentlichte Studie reiht sich nahtlos in eine Reihe von BSV-Studien ein, die nur eines bezwecken: das BSV und das Vorhaben der Bevormundern zu unterstützen, ob das Ergebnis nun korrekt ist oder nicht. Die nun als Konsequenz angekündigte Informationsoffensive ist nur wieder ein Vorwand die Branche zu piesacken.

Würde man das Empowerment ernst nehmen, würde man nicht versuchen das Verhalten der Versicherten in eine gewünschte Richtung zu beeinflussen.

euer Voice

Link zur Studie

Kommentare   

 
#1 Peter 2014-04-22 10:10
Danke für Die Infos. So weiss ich jetzt was ich meinen Kunden antworten muss auf die Vorwürfe die sie 1:1 aus der Zeitung an mich weitergeben.
Peter
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